Adolf-Schmidt-Bildungszentrum

"Äußerer Ausdruck einer festen Verbundenheit“

Im Andenken an die großen Verdienste des verstorbenen langjährigen IG-BE-Vorsitzenden Adolf Schmidt hat die IG Bergbau, Chemie, Energie ihre Bildungsstätte in Haltern am See in "Adolf-Schmidt-Bildungszentrum“ umbenannt.

Frank Rogner

Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von  Evonik Industries, und Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von  Evonik Industries, und Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE enthüllen die Adolf-Schmidt-Gedenktafel.

"Adolf Schmidt hat Bleibendes geschaffen, indem er einem tief greifenden Veränderungsprozess Ziel und Richtung gab und so neue Zukunftsperspektiven eröffnete", würdigte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis die Lebensleistung von Adolf Schmidt. Vassiliadis unterstrich auf einer Festveranstaltung am Freitag (21. Februar) in Haltern, dass "Adolf Schmidt die treibende Kraft hinter dem Zusammenschluss zur Ruhrkohle AG war. Damit war die entscheidende Voraussetzung geschaffen, um den Strukturwandel in geordnete Bahnen lenken und sozialverträglich gestaltet zu können. Kein Bergmann ist ins Bergfreie gefallen."

Die Benennung des Bildungszentrums nach Adolf Schmidt, so Vassiliadis, "ist auch der äußere Ausdruck einer festen inneren Verbundenheit. Hier in Haltern wird das fort wirken, wofür Adolf Schmidt stand."

Frank Rogner

Michael Vassiliadis. IG-BCE-Vorsitzender, ehrt Adolf Schmidt bei der Umbenennung des Bildungszentrums in Haltern am See. Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender, ehrt Adolf Schmidt bei der Umbenennung des Bildungszentrums in Haltern am See.

Laudator Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von  Evonik Industries, würdigte Adolf Schmidt mit den Worten: "Er hatte das Talent Menschen zu verbinden. Er war ein echter Brückenbauer." Für ihn seien die Menschen hinter den Bilanzen und Zahlen stets wichtiger gewesen. Von ihm ging der Impuls zur Initiative Ruhkreis aus. "Es war das kostbarste was ihm je gelungen sei", zitierte Engel Adolf Schmidt.

Adolf Schmidt ist im Alter von 88 Jahren am 26. November 2013 in Wattenscheid verstorben. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder. Schmidt gilt als einer der Väter der modernen Gewerkschaftsbewegung. 

Adolf Schmidt wurde am 18. April 1925 in Holzhausen bei Homberg in Hessen als Sohn eines Schlossers geboren. Seine hauptamtliche Arbeit bei der IG Bergbau und Energie (IG BE) begann er als Jugendsekretär im Bezirk München. Ab 1953 leitete er die Geschäftsstelle in Freiburg und anschließend in Gießen. 1964 übernahm die Leitung des Bezirks Hessen/Rheinland-Pfalz. 1965 wurde der gelernte Grubenschlosser in den Vorstand der IG BE gewählt, von 1969 bis 1985 war er Vorsitzender der Gewerkschaft.

  • Sektempfang vor dem Festakt.
    Foto: 

    Frank Rogner

    Vor dem Festakt zur Namensgebung des Adolf-Schmidt-Bildungszentrums Haltern am See...

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Adolf Schmidt dachte und handelte stets zukunftsorientiert und war dabei pragmatisch und ideologiefrei. "Wir machen mit anständigen Mitteln anständige Politik für anständige Menschen“ – war nicht nur ein leerer Spruch, sondern Leitbild seines gewerkschaftlichen und politischen Handels. Sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, so unterschiedlich auch Ausgangsinteressen sein mögen, war für Schmidt selbstverständlich.

"Kein Bergmann fällt ins Bergfreie“ - mit diesem Versprechen setzte sich Schmidt dafür ein, den Strukturwandel des Ruhrgebiets sozialverträglich zu gestalten und soziale Verwerfungen zu verhindern.

Mit der Gründung der Ruhrkohle AG am 27. November 1968, die 19 von insgesamt 29 vereinzelten Unternehmen und das halbe Hundert Zechen des Steinkohlenbergbaus zusammenfasste, wurden erste Schritte zu einer sozialverträglichen Anpassung im Steinkohlenbergbau eingeleitet. Die Unternehmen verpflichten sich die Produktionskapazitäten den Absatzmöglichkeiten anzupassen. Gleichzeitig regelt der Hüttenvertrag den Absatz der Kokskohle an die deutsche Stahlindustrie.

Frank Rogner

Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender Evonik Industries, würdigt Adolf Schmidt. Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender Evonik Industries: "Einen besseren Namensgeber kann ich mir für dieses Bildungszentrum nicht vorstellen."

Weitere Erfolge der IG BE und Adolf Schmidts waren die Anpassungsgeldregelung für ausscheidende Bergleute 1971, das dritte Verstromungsgesetz mit Einführung des Kohlepfennigs 1974 und der Jahrhundertvertrag 1980 über den Bezug deutscher Steinkohle durch die Kraftwirtschaft bis 1995.

In den zwanzig Jahren, die Adolf Schmidt im Vorstand der IG Bergbau und Energie tätig war, wurden 82 Zechen stillgelegt. Davon waren direkt 200.000 Bergleute und mit Familienangehörigen mehr als eine halbe Million Menschen betroffen. Doch sein Versprechen „Keiner fällt ins Bergfreie“ konnte bis heute gehalten werden.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der IG BE 1989 gründete Schmidt den Initiativkreis Ruhr zusammen mit dem Ruhrbischof Kardinal Franz Hengsbach, Alfred Herrhausen, Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank AG in Frankfurt und Rudolf von Bennigsen-Foerder, Vorstandsvorsitzender der VEBA AG (heute E.ON) in Düsseldorf. Ziel des Initiativkreises Ruhr ist es bis heute, die Entwicklung des Ruhrgebiets voranzutreiben und seine Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Für seine Leistungen wurde Adolf Schmidt mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Das „Adolf-Schmidt-Bildungszentrum Haltern am See“ ist eine von drei zentralen Bildungsstätten der IG BCE. Mehr als 200 Seminare und Lehrgänge finden hier jährlich statt, daran nehmen rund 6.000 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter teil. Zudem richtet das Bildungszentrum rund 100 weitere Veranstaltungen im Jahr aus, vor allem Fachtagungen, Klausuren und gewerkschaftsinterne Sitzungen.

1953 eröffnete die IG Bergbau ihre „Verbandschule“ in Haltern, seither wurde der Gebäudekomplex mehrfach erweitert und modernisiert. Aus der einstigen Nachwuchsschmiede hat sich längst ein teilnehmerorientiertes Bildungszentrum entwickelt. Haltern leistete und leistet wichtige Beiträge zur Stärkung der Demokratie in Deutschland.

© IG BCE / Jörg Zschimmer


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