Abendveranstaltung im Bildungszentrum

Erinnerung erzeugt Gedächtnis

„Seid wachsam, damit über Deutschland nie wieder die Nacht hereinbricht!“

so titelt die Ausstellung, die noch bis zum 06. Juni 2013 in unserem IG BCE Bildungszentrum Haltern am See zu sehen ist. Gewerkschafter gehörten zu den frühesten und aktivsten Gegnern des Nationalsozialismus. Viele von Ihnen bezahlten Widerspruch und Widerstand mit der Inhaftierung in Konzentrationslagern. An das Schicksal dieser mutigen Männer und Frauen will die Wanderausstellung erinnern.  Am 15. Mai 2013 fand eine Begleitveranstaltung zu der Ausstellung mit dem Thema: „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Konzentrationslagern – Eine vergessene Opfergruppe?“ statt.

IG BCE BZ Haltern am See

Professor Morsch Professor Morsch

Wolfgang Quirin, stellv. Leiter des Bildungszentrums, begrüßte alle Teilnehmer recht herzlich und im Besonderen, den Hauptakteur des Abends, Prof. Dr. Morsch. Danach gab er einen kurzen Überblich über die Geschehnisse zwischen Februar 1933 und dem 02. Mai 1993. 

Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (einer der Initiatoren der Ausstellung) erinnerte an die Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 23. März 1933. Dabei nicht nur an die Geschehnisse sondern verband sie mit Biografien führender Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die in der Folgezeit von dem NS-Regime verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt, gefoltert und auch ermordet wurden. 

Er stellte anschaulich dar, wie bestürzt und Fassungslos viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf die Zerschlagung der Gewerkschaften blickten. Nicht wenige von den führenden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter haben diese Gefahr verkannt. Sie standen zwar alle mit großer Sorge aber auch mit viel Unsicherheit und so mancher Fehleinschätzung dem Machtantritt der Nationalsoziallisten entgegen. Ein Generalstreik, so das Ergebnis einer Umfrage bei den Beschäftigten in Betrieben, hätte nicht ausgerufen werden können. Die Gewerkschaftsbewegung war bereits gespalten und schon kleinere spontane Demonstrationen wurden blutig niedergeschlagen. So gab es die Furcht vor einem Blutbad, das möglicherweise durch einen Generalstreik ausgelöst werden könnte. 

Aber, so Prof. Dr. Morsch, war nicht die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz der Ausgang zur Zerschlagung der Gewerkschaften sonder vielmehr schon die Reichtagsbrandverordnung. Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 83), auch als Reichstagsbrandverordnung bezeichnet, setzte die Bürgerrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft und war neben der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes vom 4. Februar 1933 und dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 ein wichtiger Meilenstein bei der Beseitigung des demokratischen Rechtsstaats

Nach der Zerschlagung waren zahlreiche Gewerkschafter gezwungen unterzutauchen, zu emigrieren oder sich äußerlich anzupassen – auch weil sie um ihr eigenes und das Leben ihrer Familien fürchten mussten. Doch viele gingen in den Widerstand. Wie etwa Fritz Husemann, der versuchte, unter den Bergarbeitern ein Netzwerk aufzubauen. 1935 wurde er verhaftet und im Konzentrationslager Esterwegen erschossen. 

Prof. D. Morsch hat es verstanden den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung zu vermitteln, wie in der Zeit nach 1945 in den verschiedenen Epochen mit der Geschichte umgegangen wurde. 

Darüber hinaus war ein Mittelpunkt des Vortrages von Prof. Dr. Morsch, die Biografien von Gewerkschaftern, die von den Nazis in Konzentrationslager inhaftiert wurden. Alleine in dem KZ-Sachsenhausen liegt die Zahl bei 350 inhaftierten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Rechnet man die Inhaftierten aus allen Konzentrationslagern zusammen, so geht die Zahl weit über die 1000 hinaus. 

Viele der im Konzentrationslagern inhaftierten Gewerkschafter, die im Frühjahr 1933 die nationalsozialistische Gefahr unterschätzten und gegenüber den Machthabern eine Anpassungspolitik betrieben, schlossen sich bereits wenige Monate später Widerstandsgruppen an oder bildeten sogar die treibenden Kräfte bei deren Aufbau. Der Umfang gewerkschaftlichen Widerstandes wird bis heute selbst in Gewerkschaftskreisen deutlich unterschätzt. 

In der sich am Vortrag anschließenden Diskussion wurde spezielle Fragen von Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestellt, aufgenommen und beantwortet. 

Die Kernaussage der Diskussion war: „Erinnerung erzeugt Gedächtnis!“

Die Erinnerung an die Geschehnisse in 1993 erzeugt ein Gedächtnis und lassen diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten. Mit Veranstaltungen wie dieser und auch der Ausstellung tragen wir auch dazu bei, dass kein verzerrtes Bild der Vergangenheit besteht und wir mit klaren Gedanken und Vorstellungen in die Zukunft gehen. 

Erinnert euch immer an diese Geschehnisse und hört nicht auf zu mahnen, damit unsere Demokratie nicht in Gefahr gerät. Wir brauchen auch weiterhin eine wehrhafte Demokratie! Diese zu festigen ist unser Pflicht und zur ersten Pflichterfüllung gehört, dass wir alle am 26. September zur Bundestagswahl gehen und unsere Stimme für Demokratie und soziale Gerechtigkeit abgeben.

Nach oben