Internationale Wochen gegen Rassismus

Vielfalt im Betrieb (er)leben

Jährlich rufen die Vereinten Nationen die Internationalen Wochen gegen Rassismus aus. Anlässlich dieser unterzeichneten die IG BCE und der Vivawest Konzern am vergangenen Mittwoch im Bildungszentrum Haltern am See gemeinsam die Charta der Vielfalt. Ein symbolischer Akt und ein klares Bekenntnis, Vielfalt und Akzeptanz im Betrieb zu fördern.

Markus Feger

Internationale Woche gegen Rassismus - Gruppenbild mit Charta Haben die Charta der Vielfalt unterschrieben: Ralf Leidag (Betriebsratsvorsitzender der Vivavest), Sabine Wolter (Arbeitsdirektorin der Vivavest) und Petra Reinbold-Knape (Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE) (v.l.) mit  Moderatorin Regina Karsch aus der IG-BCE-Abteilung Diversity und Antidiskriminierung.
16.03.2018
  • Von: Marco Jelic
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„Die Unternehmen bekennen sich dazu, zu sagen: Wir brauchen Vielfalt. Die Vereinbarungen führen auch zu mehr Verbindlichkeit“, erklärte Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE. Vor rund hundert anwesenden IG-BCE-Mitgliedern hob sie im Adolf-Schmidt-Bildungszentrum in Haltern am See den Wert und die Bedeutung der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt hervor. Das Motto der Auftaktveranstaltung lautete „Vielfalt im Betrieb (er)leben“. Die Vereinbarung „Diversity“, also die Vielfalt von Jung und Alt, von Frau und Mann, und eben auch von Migranten und Deutschen, in der Unternehmenskultur zu verankern und zu fördern, wurde in den vergangenen Jahren auch mit anderen Unternehmen aus den IG-BCE-Branchen abgeschlossen.

In diesem Jahr ging man auf die Wohnungsgesellschaft Vivawest zu. „Vivawest ist ein Unternehmen mit guten Mitbestimmungsstrukturen und war sofort offen für die Idee.“ Das konnte die Arbeitsdirektorin der Vivawest Dienstleistungen, Sabine Wolter, nur bestätigen. Die rund 2.000 Mitarbeiterdes Vivawest Konzerns seien international und bunt gemischt, Vielfalt eine Selbstverständlichkeit – die man in der Kommunikation nach außen aber noch stärker betonen müsse: „Wir müssen zeigen: Vielfalt macht Spaß und ist eine Bereicherung.“ Wolter wies zudem aus unternehmerischer Sicht auf die positiven wirtschaftlichen Faktoren im Hinblick auf den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel hin. Das Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Gesamtbetriebsräte im Vivawest Konzern, Ralf Leidag, unterstrich in prägnanter Form die Kollegialität und Solidarität, die von diesem symbolischen Akt ausgehe: „Wir sind offen, wir begrüßen jeden – dieses Signal wollen wir nach außen tragen.“

Markus Feger

Die Arbeitsdirektorin der Wohnungsgesellschaft Vivawest, Sabine Wolter, unterzeichnet die Charta der Vielfalt. Die Arbeitsdirektorin der Vivawest Dienstleistungen, Sabine Wolter, unterzeichnet die Charta der Vielfalt.

Die öffentliche Unterzeichnung der Charta der Vielfalt war die Auftaktveranstaltung der IG BCE zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Vom 13. bis zum 25. März führen bundesweit zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen, unter anderem der DGB und die Gewerkschaften, tausende Aktivitäten zu diesem Themenfeld.
Dass das Engagement für Menschenrechte in Zeiten des Rechtspopulismus notwendiger denn je erscheint, betonte Petra Reinbold-Knape: „Wir müssen darum kämpfen, dass Respekt und Toleranz für die gesamte Gesellschaft gelten. Wir müssen den Zusammenhalt stärken.“ Das Vorstandsmitglied beobachtet, dass die Hemmschwelle für rechtspopulistische Äußerungen niedriger geworden ist. Die IG BCE stehe für Demokratie, die Rechtspopulisten führten diese Idee ad absurdum. Daher gelte: „Jede und jeder muss aufstehen gegen Rassismus und Rechtspopulismus und die Menschen davon überzeugen, wieder in die Mitte zu kommen.“ Dabei helfen klare Regeln, aber es helfe auch, stärker die guten Beispiele voranzustellen.

Dass die IG BCE und viele Mitglieder sich 2015  in der akuten Situation für Flüchtlinge engagiert hätten, sei wichtig gewesen, doch jetzt merke man, dass es für die Integration einen langen Atem benötige. Gerade beim Zugang zu Arbeit sei der Spracherwerb für Flüchtlinge eine große Hürde, so Reinbold-Knape. Auch Sabine Wolter von Vivawest Dienstleistungen, bei der drei Flüchtlinge eine Ausbildung durchlaufen, sieht hier ein Hauptproblem. Ein weiteres liege in den komplizierten behördlichen Verfahren. Für den Konzern Vivawest, betonte die Arbeitsdirektorin, sei die Integration von Flüchtlingen in die Betriebe eine wichtiges Thema, sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch aus der humanitären Verpflichtung heraus.  Zuversichtlich die Integrationsherausforderungen im Betrieb wie in der Gesellschaft zu bewältigen, zeigte sich das Mitglied der ARGE der Gesamtbetriebsräte im Vivawest Konzern, Ralf Leidag: „Die Mitbestimmung ist ein gemeinsames Ziel, das vereint – egal, ob Pole, Russe, Türke. Wir haben alle ein Ziel, das müssen wir gemeinsam anpacken – so funktioniert das auch in der Gesellschaft.

Markus Feger

Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE „Wir müssen darum kämpfen, dass Respekt und Toleranz für die gesamte Gesellschaft gelten", sagte Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE.

Um im Betrieb passgenaue Lösungen im Umgang mit der Vielfalt und der Integration zu finden und Missverständnissen vorzubeugen, sind interkulturelle Kompetenzen unabdingbar. Was den Bereich der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit angeht, würde daher das Thema in Zukunft forciert, verdeutlichte Petra Reinbold-Knape. Auch der Leiter des Bildungszentrums, Detlef Lüke betonte den Wert der Bildungsarbeit  für dieses Thema: „Wenn wir Vielfalt als Wert für die Organisationen erkennen, dann haben wir auch eine tragende Rolle für die Toleranz in der Gesellschaft.“ Dass die IG BCE Vielfalt kann, zeigen die Zahlen: 99 verschiedene Nationen sind in der IG BCE organisiert. Seit den Zeiten der sogenannten „Gastarbeiter“-Anwerbung sei  – gerade auch im Bergbau – interkulturelles Miteinander Normalität in den Betrieben. „Die Zusammenarbeit fördert auch den Zusammenhalt“, unterstrich Reinbold-Knape. Jetzt sei es wichtig, diese positiven Errungenschaften auch in den Vordergrund zu rücken.

Statements der Teilnehmer:

Markus Feger

Internationale Woche gegen Rassismus - Rainer Diehl

Rainer Diehl, aus Worms, 62 Jahre, Chemielaborant, BASF Ludwigshafen:
„Ich engagiere mich ehrenamtlich in einem Runden Tisch gegen Rechtsextremismus, der von der evangelischen Kirchengemeinde bei mir im Ort organisiert wird. Die Entwicklungen der letzten Jahre sind erschreckend, wenn ich sehe wie der Rechtspopulismus um sich greift, in Europa und weltweit, und wie offen mittlerweile rechtes Gedankengut geäußert wird. Wir müssen die Menschen informieren und wach rütteln – die Diskussion suchen, auch im Freundeskreis oder im Betrieb, und mit Vorurteilen und Fake News aufräumen. Daher sind die Bildungsseminare der IG BCE wichtig. Man bekommt ein umfassendes Bild der Thematik und lernt Argumentationen mit Hand und Fuß.“

Markus Feger

Internationale Woche gegen Rassismus - Ibrahim Günes

Ibrahim Günes, 47 Jahre, Elektro-Steiger bei Prosper Haniel in Bottrop:
„Ich finde es wichtig, über die Vorurteile in den Köpfen aufzuklären. Das geht durch Bildung und durch Kampagnen, aber auch durch Sportvereine, wo der persönliche Austausch  und Kontakt stattfindet. Wir können Vorurteile nur überwinden, wenn wir uns in die Menschen hineinversetzen. Niemand verlässt seine Heimat ohne Grund. Daher wünsche ich mir Frieden in der Welt.
Ich selbst habe Rassismus nie so stark erlebt, klar, ab und zu kam der Spruch: „Geh dahin, wo du herkommst!“ Dann sage ich: „Wo soll ich hin? Ich bin hier geboren und aufgewachsen.“ Wir müssen lernen die Menschen zu akzeptieren, wie sie sind. Dann kann ein solidarisches Miteinander entstehen.

Markus Feger

Internationale Woche gegen Rassismus - Barbara van Doornick

Barbara van Doornick, 50 Jahre, Vertrauensperson bei Weleda AG in Schwäbisch-Gmünd:
„Bei rechtsextremen Äußerungen versuche ich mit Fakten dagegen zu argumentieren. Es herrschen viele Ängste und Vorurteile.  Wir habe daher im Unternehmen ein Projekt mit Flüchtlingen, ,Vielfalt gewinnt‘, dort bepflanzen wir einen gemeinsamen Gemüsegarten. Man kommt so in Kontakt, das ist wichtig, denn man lernt die Menschen und ihre Geschichte kennen. Der Rechtsruck in der Gesellschaft bereitet mir Sorgen. Wir müssen dem etwas entgegensetzen, denn die Gewerkschaften stehen für Gleichheit und Gerechtigkeit.“ 

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